Taunus Art Club e.V.


Aus dem TAC-Manifest der Präambel:

Der Name unseres Vereins bezieht sich auf ein Denk-ereignis im Taunus - 1929 trafen sich Walter Benjamin und Theodor W. Adorno in Königstein, um ausgehend von Benjamins Buch übers barocke Trauerspiel die Möglichkeit eines gemeinsamen Arbeitsprogramms zu ventilieren. Zwei Jahre später kristallisiert sich das Ergebnis in Adornos Kierkegaard-Buch: "Konstruktion des Ästhetischen" und den beiden Vorträgen "Aktualität der Philosophie", sowie "Die Idee der Naturgeschichte", worin der Ursprung einer Kritischen Theorie der Gesellschaft aus dem Geist der Avantgarde 

                                                                                                     formuliert wird (war es bei Benjamin der Surrealismus,  

                                                                                                     so bei Adorno die Atonalität in der Musik). 

 

Naturgeschichte wird hier jedoch nicht im traditionellen Sinn verstanden, sondern ironisch eingesetzt als Chiffre für den Sozialdarwinismus, die Naturwüchsigkeit aller bisherigen Geschichte. Sie steht somit für den Bezug auf damals besser ungenannt bleibende Autoren, die so zur Übereinstimmung gebracht werden: Marx & Freud.

Aus solcher allegorisch-kritischen Intention des Ästhetischen wird somit die Kritik der politischen Ökonomie mit dem Unbehagen in der Kultur zur Indifferenz gebracht,

zur Anamnese eines gesellschaftlich Unbewußten

und Therapie eines zum Verblendungszusammenhang gewordenen gesamtgesellschaftlichen Status Quo: durch Philosophie als Form der Deutung einer zur zweiten Natur verdinglichten Zivilisation soll diese ihre Transparenz zurückgewinnen, durch welche der Bann ihrer unabdingbaren Notwendigkeit als Schein durchschaubar wird, sodaß sie auf diese Weise wieder transformierbar wird - offen für Neues.


 

Damit bezieht sich das Programm des TAC auch auf Schillers Idee der ästhetischen Erziehung, wie sie nach seiner Begegnung mit Goethe als Antwort auf die Aporie der Aufklärung und französischen Revolution entwickelt wurde. D.h. sie geht aus von der Selbstkritik rationaler Erkenntnis als Form zweckrationaler Zurichtung der Wirklichkeit zum Reich der Zwecke. Nur die mimetische Erkenntnis von Traum, Phantasie und Spiel vermag diese Eindimensionalität des Nutzens zu korrigieren, um jenseits davon den Zugang zum Reich der Freiheit zu eröffnen.

Denn nur eine ästhetische Bildung ermöglicht die

Mündigkeit des ganzen Menschen

und bleibt nicht die des einseitigen Vernunftwesens.

Nur sie befähigt zu einer Erfahrung, die dem Ästhetischen in der Vielfalt seiner Erscheinungsformen - in Literatur, Kunst, Musik, Theater und Film, aber auch in Natur und Alltag

als unserer 2. Natur - zu entsprechen vermag.

Um eine andere, bessere Zukunft zu erreichen,

hilft es zurückzuschauen,

um durch Reflexion der Genese der Avantgarden seit Ende des 18. und bis ins 20. Jahrhundert ihre Funktion als kriti-scher Doppelgänger der technischen Moderne zu verstehen und ihre Relevanz als deren kritisches Korrektiv.

Durch Ausstellungen, Lesungen und Vorträge -

ästhetischer, historischer, philosophischer, soziologi-scher und komparatistischer, also fachübergreifender Art - für die Region des Taunus- und Rhein-Main-Gebiets und insbesondere der Stadt Bad Soden soll ästhetische Erfahrung und Kritikfähigkeit gefördert und erweitert werden (dazu gehören  Exkursionen,  der  Austausch mit anderen europäischen Kommunen und Regionen). Darüber hinaus besteht das Ziel künstle-risch-geisteswissenschaftliche Stipendien und Artist-in-Residences einzurichten und den Verein in eine Stiftung umzuwandeln.

Zu diesen Engagements zählt auch im Besonderen - jenseits der falschen Alternative von verflachender Popu-larisierung oder elitärer Exzellenz, von konsumistischer Degradierung von Kunst zu Freizeitgestaltung oder Kapi-talanlage - die Realisierung des Zusammenhangs von Formen ästhetischer Praxis und kritischer Theorie, wie dem der frühen Frankfurter Schule und des Surrea-lismus, sodaß der TAC selbst zum Agenten würde, der durch diese Verbindung als Form öffentlichen Ver-nunftgebrauchs in die Lage versetzt würde im politi-schen Raum zu intervenieren  z.B. durch Performances und andere Präsentationsformen, wie Theater und Film.


Als Gründer des Taunus Art Club verstehen wir unser Ehrenamt als Korrektiv zum Betrieb: zu Kunstbetrieb, Literaturbetrieb und Universitätsbetrieb, denn der Dile-tantismus unserer Aktivitäten besteht nicht im Mangel an Qualifikation, sondern in der Lust und Freiheit, mit der wir als selbsttätige/r Künstlerin und Autor zusammen mit Freunden und Interessenten innovative Akzente set-zen,  um in dem uns möglichen Rahmen das Potential von Kunst, Literatur und Philosophie als Formen der Kritik auf die Probe zu stellen.

 

                               Ingrid und Dr. Andreas Honneth


                                                                                                                                                                                                             bureau@tac-online.eu 

                                                                                           

                                                                                                                                                                                                             info@taunus-art-club.eu